CvH-Interview mit dem Verlag

„In chaotischen Zeiten zu sich selbst finden“
Buchneuerscheinung „Vergessene Legenden – Der Helden Berufung“

April 2015

Zu Beginn des Jahres ist im Grundblick Verlag ein neuer Roman erschienen. Genre: philosophische Fantasy. Warum dieses ungewöhnliche Genre auch für Leser interessant sein kann, denen diese Thematik eher fremd ist, erklärt der Autor Cornelius Klein im Gespräch.

Grundblick: Herr Klein, Sie haben unter dem Pseudonym „Candrac von Hainrich“ einen sogenannten philosophischen Fantasyroman veröffentlicht. Was kann man sich unter diesem Genre vorstellen?

Klein: Dieses Genre hat sich gar nicht bewusst so entwickelt, muss ich sagen. Die ersten Leser des Manuskripts haben allesamt gesagt, dass es keine gewöhnliche Fantasygeschichte wäre. Der Roman erzählt zwar von einer mittelalterlichen Welt, in der geringfügig auch Magie und zauberhafte Wesen vorkommen (und die bestimmt auch jedem klassischen Fantasyfreund sehr gefallen würde). Aber im Grunde geht es um andere Schwerpunkte.

Grundblick: Wie sehen diese Schwerpunkte genau aus?

Klein: Die Geschichte spielt überwiegend in einem Land, in dem immer mehr Bürger den Eindruck haben, dass sie von der Regierung hinters Licht geführt werden. Stück für Stück bekommen die Menschen durch umstrittene Begründungen immer mehr Rechte aberkannt. Das sehen aber nicht alle so. Die Welt ist auch so chaotisch geworden, dass viele nicht mehr wissen, wie sie mit ihrem Leben umgehen sollen. Manche gehen konform mit dem Regierungssystem, andere hingegen fühlen sich manipuliert und suchen nach Auswegen. Sie möchten Verantwortung über ihr Leben und das Geschehen in der Welt übernehmen und schauen dafür auch nach innen.

Grundblick: Hier geht es also schon in die Philosophie?

Klein: Auf jeden Fall, und wie. Der Roman erzählt im Großen und Ganzen die Geschichte von vier engen Freunden, die ihr Leben bewusst in die Hand nehmen möchten. Dabei haben alle unterschiedliche Prägungen, Talente und Erfahrungen gemacht. Einer der Protagonisten ist zum Beispiel zur Hälfte ein Dämon. Er hat seit seiner Kindheit immer nur die Erfahrung gemacht, Außenseiter zu sein, wurde ausgegrenzt und gemieden. Obwohl er zwischenzeitlich schon alle Hoffnung auf ein erfülltes Leben aufgegeben hatte, findet er plötzlich Freunde und während des Besuchs eines mystischen Orakels verändert sich sein Leben dann in kürzester Zeit auf wundersame Weise.

Grundblick: Es geht also auch in die Tiefe.

Klein: Durchaus, verrückterweise ist das Buch ja auch beim „Grund-Blick“  Verlag gelandet. Wobei ich sagen würde, dass die Geschichte mit sehr viel Leichtigkeit und Helligkeit in die Tiefe geht. Meine Freunde kennen mich als lustigen und eigentlich sehr umgänglichen Menschen. Aber ich hatte schon genügend Erfahrungen, die mein Leben in den Grundfesten erschüttert haben. Das verändert einen. Oft hat man ja Angst davor, in den Spiegel zu gucken. Aber im Grunde muss man genau das wagen, um ein glückliches und bewusstes Leben zu haben.

Grundblick: Wenn man sich in „unserer“ Welt umschaut, besonders bei Menschen, die Einfluss haben, hat man oft den Eindruck, dass der Blick nach innen noch nicht stattgefunden hat.

Klein: Perfekt ist ja kein Mensch, ich am allerwenigsten. Vor allem, was meine Essgewohnheiten angehen (lacht). Aber ich denke, dass wenn man über sich selbst lachen kann, der Blick in den Spiegel dann vielleicht leichter fällt. Ich denke schon, dass das Leben für alle Menschen ein Geschenk ist. Ich verehre die, die den Mut haben, sich mit sich selbst auseinanderzusetzen. Und man hat ja keinen Druck. Es ist wie im Fußball. Man bekommt immer wieder eine neue Chance, sein Leben zu ändern. Ich lache mich schief, wenn der FC Bayern München im Halbfinale der Champions League erneut auf Real Madrid träfe. Wäre gespannt, was für ein Spiel das diesmal werden würde.

Grundblick: Da der Verleger Willi Schmidt Bayern-Fan ist, wäre das in der Tat eine interessante Geschichte. Aber nochmal zurück zu Ihrem Buch. Was gibt es sonst noch darüber zu erzählen?

Klein: Gut, dass Sie das sagen, ich schweife immer schnell ab, das war schon früher so. Ja, ich denke, interessant an der Geschichte ist vor allem, dass der Leser nach dem Prolog selbst entscheiden kann, welchen der vier Handlungsstränge er weiterverfolgen möchte. Man kann es daher auch (und nach den Rückmeldungen der ersten Leser wird es auch praktiziert) quer oder von hinten nach vorne lesen. Das finde ich im Nachhinein ziemlich interessant.

Grundblick: Das klingt nach sehr individueller Gestaltung. War das bewusst so gewählt?

Klein: Um ehrlich zu sein, weiß ich das gar nicht mehr. Es ist einfach so passiert. Rückblickend fühlt sich dieser individuelle Weg für die Erzählung dieser Geschichte richtig an. Im Grunde könnte man die Individualität auch als Hauptaussage des Buches beschreiben. Jeder Mensch ist einzigartig von seinen Talenten und Bedürfnissen her. Nur oft vergisst man das in der Flüchtigkeit des reizüberfluteten Alltags oder lässt sich von anderen total verunsichern. Aber wenn jeder Mensch den Mut aufbringen würde, an seine Talente und den Wert seiner Einzigartigkeit zu glauben, würden wir nicht nur den Konkurrenzdruck in der Welt auflösen. Wir würden auch dem Himmel, ein großes Stück näher kommen.